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Das Biomasse-Heizwerk ist eigens so konzipiert, dass Besucher sich über die Technik informieren können. Hier erläutert Jörn Partmann von der Stadtwerke Essen AG einer Studiengruppe die Anlage.

Biomasse-Heizwerk besteht Feuerprobe

Ihren ersten Winter hat die Anlage mit Bravour gemeistert, die Feuerprobe ist bestanden: 17 Gebäude hielt das Biomasse-Heizwerk in der Gruga wohlig warm – darunter den Blumenhof mit „Kur vor Ort“, die Orangerie, die Pflanzenschauhäuser und die Grugapark-Verwaltung. Mit mehr als 1,9 Megawatt Feuerungsleistung ist es die größte Nahwärmeheizung seiner Art der Stadt. Dabei sorgt die Stadtwerke Essen AG für einen reibungslosen Betrieb.

Passend fügt sich das vom Büro Nattler Architekten entworfene Biomasse-Heizwerk in das Umfeld an der Lührmannstraße ein. „Geschaffen wurde ein architektonischer Brückenschlag zwischen Parklandschaft und dem technischen Gebäude“, erklärt Projektleiter Jörn Partmann. Die Hülle ist teilweise transparent. „Wir wollen ein bisschen neugierig machen, sich die klimafreundliche Technologie näher anzuschauen.“

6.500 Meter langes Nahwärmenetz
Und diese Technologie in der rund vier Millionen Euro teuren Anlage hat es in sich: 17.500 Meter Kabel wurden allein im Gebäude für Temperatursensoren, Regelarmaturen, Druckwächter und so weiter verlegt. Zwei Biomasse-Wärmeerzeuger decken die Hauptlast ab. In Spitzenzeiten können zwei Gaskessel hinzugeschaltet werden, die zugleich der Versorgungssicherheit dienen. Die Temperaturen erreichen in den Verbrennungszonen bis zu 1.200 Grad Celsius. Erwärmt wird Wasser, das über Pumpen und einen Pufferspeicher in die Nahwärmeleitungen gelangt. „Das warme Wasser wird zu den Gebäuden hingepumpt und das dort abgekühlte Wasser wieder zurück“, erläutert Jörn Partmann. Rund 6.500 Meter Rohrleitungen verbinden die Gebäude mit dem Biomasse-Heizwerk.

2.500 Tonnen Holzschnitzel pro Jahr
Hochleistungsfilter sorgen dafür, dass die Feinstaubemissionen die gesetzlichen Grenzwerte um mehr als die Hälfte unterschreiten. Als Brennstoff dienen sogenannte Holzschnitzel. Dabei handelt es sich um Restholz aus Parks und Wäldern. Kalkuliert wird mit einem Verbrauch von 2.500 Tonnen im Jahr. „Bei Volllast schluckt die Anlage 640 Kilogramm in der Stunde“, erklärt der Projektleiter der Stadtwerke Essen AG. „Das sind drei Lastwagenladungen in der Woche.“ Geliefert wird die Biomasse aus der Region nahezu „just in time“, wobei eine Reserve für Sicherheit sorgt: Der Vorrat im Bunker reicht bei Volllast für fünfeinhalb Tage.

Klimaneutraler Brennstoff
Holz gilt als klimaschonender Brennstoff, weil nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie Baum oder Strauch zuvor beim Wachstum in sich gebunden haben. „Gegenüber der fossilen Befeuerung, wie sie früher in den Gruga-Gebäuden üblich war, haben wir mit dem Biomasse-Heizwerk eine CO2-Reduktion von 1.450 Tonnen pro Jahr erreicht“, so Partmann. In der Berechnung berücksichtigt sind die Emissionen, die in der zugehörigen Forstwirtschaft und beim Transport anfallen.

Projektsteuerung und Betriebsführung
Die Anlage ist recht wartungsarm. Etwa alle 14 Tage werden die Brennkammern jeweils einzeln außer Betrieb genommen und per Sichtkontrolle geprüft. Die Wärmeerzeuger müssen frühestens nach 20 Jahren ausgetauscht werden. Jörn Partmann: „Reparaturen können natürlich schon eher vorkommen.“ Der Stadtwerke-Experte rät nicht zuletzt daher Interessenten für eine solche Hightech-Anlage zu einem Contracting-Modell. Im Fall des Biomasse-Heizwerks hat die Stadtwerke Essen AG nicht nur die Projektsteuerung für die Planung und Errichtung übernommen, sondern sorgt auch für die Betriebsführung im Auftrag der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH als Eigentümerin und Wärmelieferant. Im Normalfall wird jedoch eine Standardwärmelieferung von den Kunden gewünscht.

Maximaler Service aus einer Hand
Die Stadtwerke Essen AG tritt dabei als Wärmelieferant auf, der die Technik inklusive Betrieb und Wartung stellt. So erhält der Kunde maximalen Service aus einer Hand ohne Investitionskosten. Dabei kann es auch ein paar Nummern kleiner als in der Gruga sein. „Jede Anlage wird ganz auf die konkret vorliegenden örtlichen Gegebenheiten und Anforderungen abgestimmt“, sagt Partmann. „Den Anwendungsfällen sind keine Grenzen gesetzt. Gedeckt werden kann der Wärmebedarf von Industrie, Gewerbebetrieben, Bürogebäuden oder Wohnbebauung.“ Die Stadtwerke Essen AG kann dabei nicht nur auf ihren bestens qualifizierten Mitarbeiterstamm, sondern auch auf einen über 20-jährigen Erfahrungsschatz im Geschäftsfeld Wärmelieferung zurückgreifen.